BLV,
München 2011;
240 Seiten, geb.,
302 Farb-Abb,
22,5 x 27 cm;
29,95 EUR
ISBN 978-3-8354-0754-1
 
 
Elke von Radziewsky,
Fotos: Jürgen Holzenleuchter
Der Selbstversorger Garten
 
 
Die getrennte Schreibweise des Titels ist gewiß nicht nur dem Layout geschuldet, zeigt sie doch gleich den neuen Blick auf den Selbstversorger und seinen Garten. Wer heute Kartoffeln, Kohl und Bohnen anbaut, tut dies kaum aus finanziellen Erwägungen. Triebfeder ist vielmehr der Wunsch nach Aroma und Frische, wie sie anders kaum zu erlangen sind. Und die Freude am Gärtnern, die auch mal einen Mißerfolg erträgt und Erfahrung daraus zieht, um es im folgenden Jahr erneut zu versuchen. Auch die Freude am Beobachten und Erleben der Jahreszeiten gehört dazu.

Die außergewöhnliche Situation eines neu erworbenen großen, verwilderten Gartens nutzten die Autorin und ihr Mann zu einem Gartenprojekt, der Neuanlage eines Küchengartens in Etappen, quasi protokolliert im vorliegenden Buch und zur Nachahmung empfohlen. Dieses angenehm übersichtlich gestaltete Praxisbuch enthält die Elemente eines anständigen traditionellen Gartenratgebers, angefangen beim Gartenplan, über Boden, Aussaat und Vermehrung bis hin zu den unterschiedlichen Pflanzen, die in eigenen Kapiteln ausführlich behandelt werden. Allerdings gibt es keine genauen Handlungsanweisungen, To-do-Listen und Tabellen, stattdessen Empfehlungen, kulturhistorische Informationen und zahlreiche aus Gelingen oder freimütig eingestandenem Mißlingen gewonnene Erkenntnisse. Diese Anleitung mit Raum für individuelle Experimente verführt zum Entdecken der Möglichkeiten, die der eigene Garten dem Gärtner und seinen Wünschen bietet. Zu lustvollem Gärtnern mit der Aussicht auf ebenso lustvolles Ernten und Genießen - doppelt schön nach getaner Arbeit. Überhaupt hat das Wort Gartenarbeit in diesem Buch einen guten Klang: durchaus gelegentlich Kraft fordernd, aber unangestrengt, dabei verantwortungsbewußt und sorgsam im Umgang mit dem Organismus Pflanze. Und im besten Fall erfolgsgekrönt.

Eingestreut sind sieben mehrseitige Porträts von Spezialisten wie langjährigen Selbstversorgern, Kultivateuren oder Sammlern bestimmter Gemüse- oder Obstarten. Außerdem knappe Exkurse botanischen oder historischen Inhalts und zu Verwertung oder Verarbeitung. Zahlreiche schöne Fotos begleiten den sprachlich so bildreichen Text. Ein begeisterndes Buch, das anregt, sofort loszulegen, und das den Leser auch unterwegs bei der Umsetzung eigener Selbstversorgungsideen informativ und kurzweilig begleiten wird.
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